1. Herren

Frühes Pokal-Aus nach packendem Kampf

von Johannes Speckner

Nach dem Abpfiff besonders schnell wieder lachen konnten Philipp Ehlers und Veton Hajrizi, weil sie ihre Kinder in die Arme schließen durften. Einige ihrer Mitspieler von Rasensport Uetersen waren dagegen am Sonntag um 16.52 Uhr etwas frustriert: „So knapp zu verlieren, ist fast bitterer, als wenn wir klar das Nachsehen gehabt hätten“, erklärte Torwart Alexej Schmidt. Mit starken Paraden hatte er dazu beigetragen, dass die frisch in die Bezirksliga West aufgestiegenen Rosenstädter gegen den SC Victoria Hamburg, der zwei Klassen höher in der Oberliga Hamburg zu den Spitzenteams zählt, bis zum Abpfiff auf eine Sensation beziehungsweise zumindest das Erreichen der Verlängerung hoffen konnten. Am Ende verlor der Außenseiter knapp mit 2:3.

Im Rosenstadion gingen die Hamburger in der neunten Minute in Führung: Tom Wohlers versenkte eine Linksflanke von Julian Schmid per Grätsche via Lattenunterkante zum 0:1. Die Hausherren zeigten in der Folge aber, dass sie auch Fußballspielen können, und schlugen prompt zurück: Kirill Shmakov schaltete sich als Innenverteidiger in das Offensivspiel seines Teams ein, behauptete sich links nach einem Fehler von Victorias Mario Ermisch stark und legte uneigennützig quer zu Marcel Jobmann, der zum 1:1 ausglich (16.). Nicht nur aufgrund dieser Szene heimste Shmakov ein Sonderlob seines Trainers ein: „Er hat eine sehr, sehr starke Leistung gezeigt“, sagte Peter Ehlers angetan.

Nach einer halben Stunde kam es sogar noch besser für die Uetersener: Philipp Ehlers wurde, als er sich im Gäste-Straftraum einen Steilpass an Incheol Choi vorbeilegte, vom Victoria-Akteur touchiert und ging zu Boden. Schiedsrichter Kevin Averhoff (vom TSV Seestermüher Marsch) entschied auf Elfmeter und Philipp Ehlers trat selbst an: Erst scheiterte der Rasensport-Kapitän an SCV-Keeper Dennis Lohmann, versenkte aber den Nachschuss. Doch weil Lohmann sich vor der Ausführung des Strafstoßes mit beiden Beinen von der Torlinie wegbewegt hatte, ließ der Referee das Prozedere wiederholen: Nun verwandelte Philipp Ehlers platziert flach links zum 2:1, obwohl Lohmann erneut in die richtige Ecke gesprungen war. Dieses Ergebnis hatte bis zur Pause Bestand.

„Wenn wir etwas mehr Ruhe am Ball gehabt und unsere Konterchancen besser ausgespielt hätten, wäre allerdings sogar eine noch höhere Führung möglich gewesen“, urteilte Peter Ehlers. Der Trainer gab jedoch auch zu: „In der zweiten Halbzeit hat Victoria sehr starken Druck aufgebaut.“ Folgerichtig fiel der 2:2-Ausgleich, als nach einem Eckstoß von Andre Monteiro Branco am zweiten Pfosten Tom Wohlers den Ball zurücklegte zu Julian Schmid, der ihn dann aus 20 Metern exakt in den rechten Winkel zirkelte (54.). „Leider haben wir es versäumt, diesen Schuss abzublocken“, klagte Peter Ehlers. „Der Ball hat ganz genau gepasst“, zeigte sich Alexej Schmidt angetan von der Präzision seines Fast-Namensvetters.

Gerade, als sich die Heim-Elf etwas vom Druck des Fünftligisten befreien konnte, Veton Hajrizi aber nach einem Ballgewinn gegen den weit vor seinem Tor herumturnenden Lohmann zu überhastet aus der Distanz abgezogen und deutlich am Gäste-Gehäuse vorbei gezielt hatte, kippte die Partie zugunsten der Hamburger. Nach einem Foul an Paul Magnus Hartwig jagte der Südkoreaner Choi den Ball aus 30 Metern wuchtig ganz exakt in den linken Winkel – ein Traumtor. „So einen Freistoß habe ich noch nie gesehen – der Ball kam scharf, aber auch präzise“, sagte Alexej Schmidt anerkennend. Auch Peter Ehlers lobte den Gegner für dessen Spiel- und Abschlussstärke: Alle drei Treffer des Victoria-Teams seien „sehr schön anzuschauen gewesen“.

In der Schlussphase warfen die Uetersener alles nach vorne und tatsächlich wäre der Ausgleich noch möglich gewesen. Doch als der frisch eingewechselte Philipp Pohlmann einen Eckstoß herausholte und, nachdem Mario Ehlers diesen von links ausgeführt hatte, am langen Pfosten einen perfekten Kopfball abgab, fing Lohmann das Spielgerät sicher (83.). Dass Schuhmann kurz vor Ultimo, als Alexej Schmidt schon ausgespielt war, aus Nahdistanz von halblinks nur das Außennetz des verwaisten Gehäuses traf (89.), hätte Pohlmann in der Nachspielzeit noch bestrafen können. Doch nach einem perfekten Pass von Eddy-Morton Enderle zielte der Neu-Uetersener von halblinks aus freistehend überhastet über die Latte (92.). „Dafür gibt es keine Erklärung – ich hätte wohl sogar genug Zeit gehabt, den Ball noch anzunehmen“, gab der Angreifer anschließend selbstkritisch zu.

Deshalb verpasste es der Außenseiter knapp, den Favoriten in die Verlängerung zu zwingen. „Trotzdem haben wir unseren Zuschauern eine sehr gute Leistung gezeigt und damit zumindest ein Teil-Ziel erreicht“, betonte Peter Ehlers, der nun Victorias Kapitän Felix Schuhmann, mit dessen Vater er gut befreundet ist, sowie der sympathischen Mannschaft des SC Victoria für den weiteren Saisonverlauf „natürlich nur das Beste wünscht“. In der vierten Saison, in der sie am Spielbetrieb teilnahmen, scheiterten die Rasensportler erstmals überhaupt bereits in der Auftakt-Runde: Zuvor war zweimal in der Dritten Runde (2016 gegen den Oberligisten SV Rugenbergen und 2017 gegen den damaligen Kreisligisten Hetlinger MTV) sowie in der vergangenen Saison erst im Achtelfinale gegen den Oberligisten TuS Osdorf Feierabend gewesen.